Mårten Ajne

Ajnes Abenteuer auf dem Eis: Mårten Ajne ist seit mehr als 30 Jahren auf Tourenschlittschuhen unterwegs. Häufig verbringt er mehr als 40 Tage pro Jahr auf dem Eis, in Schweden oder im Ausland. Er hat sowohl Bücher zum Thema geschrieben als auch an der Entwicklung der neuen Lundhags-Tourenschlittschuhe teilgenommen. Nur wenige können so wie Mårten die Technik dahinter und den Genuss, den das Gleiten über gefrorenes Wasser bereitet, beschreiben.

Mårten Ajne ist seit mehr als 30 Jahren auf Tourenschlittschuhen unterwegs. Häufig verbringt er mehr als 40 Tage pro Jahr auf dem Eis, in Schweden oder im Ausland. Er hat sowohl Bücher zum Thema geschrieben als auch an der Entwicklung der neuen Lundhags-Tourenschlittschuhe teilgenommen. Nur wenige können so wie Mårten die Technik dahinter und den Genuss, den das Gleiten über gefrorenes Wasser bereitet, beschreiben.

In Südschweden pendeln im Winter die Temperaturen um den Nullpunkt. Man denkt dann vielleicht an lange, graue Winter mit ein paar kürzeren Kältewellen. Und genau das ist die Voraussetzung für schneefreies Natureis, das lange Schlittschuhtouren möglich macht. Ähnliche Bedingungen findet man auch in Norwegen und Finnland. In kalten Wintern frieren auch die dänischen Bodden, die norddeutsche Seenplatte und sogar Gewässer in Holland richtig zu. Weiter im Norden kann man in wärmeren Wintern Glück haben, ansonsten muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen, bevor der Schnee die Seen unter sich vergräbt. Aber in Mittelschweden mit seinen grauen Wintern, zahlreichen Seen und weit gestreckten Ostsee-Schären gibt es optimale Voraussetzungen. Die beste Stelle für Tourenschlittschuh auf der Erde.

Man läuft auf der ganzen Welt Schlittschuh, aber eigentlich läuft man nur in Skandinavien Tourenschlittschuh. Neben den auf Grachten entlanggleitenden Holländern sind es die Schweden, die im vergangenen Jahrhundert die Ausrüstung und das Tourenschlittschuhfahren weiterentwickelt haben. Die speziellen Voraussetzungen mit langen Schlittschuhtouren, bei denen man streckenweise die Schlittschuhe abschnallt und läuft, stellen besondere Anforderungen an abnehmbare Schlittschuhe und lauffreundliche Schuhe. Der Tourenschlittschuh ist in vielerlei Hinsicht ein schwedisches Phänomen.

In Holland fährt man auf seichten Grachten mitten in der Zivilisation. Dort wurde bei der Entwicklung des Schlittschuhs der Schwerpunkt auf Geschwindigkeit und Lauftechnik gelegt. Sicherheit und andere Aspekte standen weniger im Mittelpunkt. Wenn das Eis bricht, stellt man sich auf den Grachtenboden, watet an Land, kriecht über die Strandkante, wärmt sich in einem Café und nimmt den Zug nach Hause. In der schwedischen Wildnis lag der Schwerpunkt auf Haltbarkeit und Sicherheit, aber die Fahrtechnik fand wenig Aufmerksamkeit. Deshalb eigneten sich Schlittschuhe und Stiefel teilweise nicht für die Schlittschuhtechnik, die man beim entspannten, effektiven und genussvollen Fahren anwendet.

Richtiges Schlittschuhfahren ist eine fließende, weiche Bewegung mit Fahrgenuss. Durch die geringe Reibung zwischen Schiene und Eis ist das Schlittschuhfahren die schnellste und effektivste aller nicht mechanisierten, menschlichen Fortbewegungsformen. Aber sie erfordert eine gute Lauftechnik und einen Schlittschuh, der eine korrekte Ausführung der Technik ermöglicht. Das stellt eine Reihe spezieller Anforderungen an den Schlittschuh.

Der Stahl muss hart genug sein, damit die Kanten scharf bleiben, und gleichzeitig weich genug, damit die Schiene nicht bricht und nicht zu unnachgiebig ist. Die Schiene muss dünn sein und eine niedrige Reibung haben und trotzdem breit genug, um sich nicht festzufahren oder zu verkanten. Die Lauffläche der Schiene muss eine perfekt flache Rundung haben, damit man beim Laufen den Kurs halten kann, aber gleichzeitig muss man die Schiene steuern können. Der Schlittschuh soll lang genug sein, damit man gleichmäßig fahren und sich effektiv abstoßen kann, aber gleichzeitig kurz, damit man effektive Ruhephasen hat und leicht übersteigen kann. Die Höhe soll ausreichend Zwischenraum zwischen Schuh und Schnee bieten, aber ohne die Knöchel unnötig zu belasten. Für optimale Balance sollte die Bindung so angebracht sein, dass der Schuh mit seinem Schwerpunkt sowohl längs als auch quer genau mittig über der Schiene sitzt. Gleichzeitig sollte der Schlittschuh leicht und perfekt verdrehungssteif sein, seine Form weder in kaltem noch in warmem Wetter ändern, ergonomisch zu hantieren sein, unter aggressiv feuchten Bedingungen nicht rosten und natürlich auch nicht auseinanderfallen, wenn er den normalen Belastungen durch Unebenheiten des Eises ausgesetzt ist.

Ein Tourenschlittschuh, der alle diese Anforderungen erfüllt, ist so viel mehr als ein Stück Stahl und Aluminium. Er ist Ingenieurskunst und Handwerk, Genauigkeit bei Materialauswahl und Herstellung - ein Glücksfall, auf dem man laufen kann. Die Fahrtechnik muss man sich selbst antrainieren. Und man muss immer noch selbst zum Eis finden. Aber ein Paar guter, richtig eingestellter Schlittschuhe mit passender Länge bieten die besten Voraussetzungen für puren Schlittschuhgenuss.

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MÅRTEN AJNE

Schlittschuhfahrer, Autor und Mathematiker. Am liebsten in der Reihenfolge.

Lieblingsjahreszeit: Alle, mit leichtem Vorteil für den Herbst.
Andere Interessen außer Schlittschuhe: Architektur, Vögel, Politik und Inlines.

Mårten Ajnes Schlittschuhtipps
1. Das Alltagsabenteuer finden. Die lokalen Seen und deren Eis kennenlernen. Dann weiß man, wann das Eis am besten ist.
2. In einem Schlittschuhverein mitmachen. Dann findet man einfacher die besten Stellen zum Schlittschuhfahren. Gemeinsam, sicher und effektiv.
3. Die Vielfalt nutzen. Geografisch gibt es eine unendlich große Auswahl. Eine Ausfahrt auf kleinen Waldseen kann mindestens genauso abenteuerlich und erlebnisreich sein wie eine lange Fahrt über den Mälaren oder eine Schlängeltour durch die Schären.